Porträtmodus richtig nutzen: Tiefenschärfe am Handy
Der Porträtmodus berechnet die Unschärfe, statt sie optisch zu erzeugen. Warum das an den Haaren scheitert, welcher Abstand stimmt und welches Licht ein Porträt trägt.
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Die Kamera auf der Vorderseite wird häufiger benutzt als jede andere und am wenigsten verstanden. Sie macht Selfies, Videoanrufe, Porträts unter Freunden und Bilder, die direkt in einer Nachricht landen. Und sie liefert regelmässig Ergebnisse, die schlechter aussehen als das, was dasselbe Gerät auf der Rückseite kann.
Das liegt nicht daran, dass du dich falsch hältst, sondern daran, dass die Frontkamera technisch anders gebaut ist. Wer die Unterschiede kennt, holt deutlich mehr heraus und weiss, wann sich der Wechsel auf die Rückkamera lohnt.
Auf der Vorderseite ist wenig Platz. Der Sensor ist kleiner als bei der Hauptkamera, das Objektiv ist einfacher gebaut, und es gibt keine mechanische Bildstabilisierung in der Form, wie sie hinten steckt. Ausserdem muss dort noch die Technik für die Gesichtserkennung untergebracht werden.
Ein kleinerer Sensor sammelt weniger Licht. Das merkst du nicht am Tag am Fenster, sondern abends im Restaurant: Das Bild rauscht, Details verschwinden, und die Software glättet Haut und Haare, um das Rauschen zu verstecken. Genau daher kommt der wachsartige Eindruck, über den sich viele ärgern.
Dazu kommt der feste Blendenwert und, auf älteren Modellen, ein fester Fokus. Autofokus auf der Frontkamera gibt es erst ab dem iPhone 14. Auf älteren Geräten ist alles ab etwa einer Armlänge scharf und alles davor nicht, was Selfies aus kurzer Distanz weich macht. Wer ein neueres Gerät hat, kann vor der Aufnahme auf das Gesicht tippen und damit gezielt scharfstellen.
Die Frontkamera ist weitwinklig gebaut, damit du dich bei ausgestrecktem Arm ganz aufs Bild bekommst. Das hat eine unangenehme Nebenwirkung: Was näher an der Linse ist, wird überproportional gross abgebildet. Bei einem Selfie ist das die Nase, manchmal auch die Stirn oder das Kinn, je nachdem wie du das Gerät hältst.
Dagegen hilft Abstand. Streck den Arm ganz aus oder nimm einen Selfie-Stick, dann werden die Proportionen deutlich natürlicher. Viele iPhones bieten zusätzlich zwei Bildwinkel an, umschaltbar über die beiden Pfeile neben dem Auslöser. Der engere Winkel ist der schmeichelhaftere, der weite ist für Gruppen gedacht.
Die Höhe entscheidet ebenfalls. Halte das Gerät leicht über Augenhöhe und schau zur Linse, nicht auf den Bildschirm. Von leicht oben wirkt das Gesicht schmaler und der Blick offener. Von unten entsteht der Blick, den niemand von sich sehen will. Das ist keine Eitelkeit, sondern dieselbe Perspektivenlehre wie bei jedem anderen Motiv, nachzulesen im Beitrag über Bildkomposition.
Während du dich auf dem Bildschirm siehst, zeigt dir das Gerät ein Spiegelbild, so wie du dich im Badezimmer kennst. Standardmässig speichert es das Foto aber seitenrichtig, also so, wie andere dich sehen. Für viele fühlt sich das Ergebnis deshalb falsch an, obwohl es korrekt ist.
In den Einstellungen unter Kamera gibt es dafür den Schalter für die gespiegelte Frontkamera. Ist er aktiv, wird das Bild so gespeichert, wie du es im Sucher gesehen hast. Beides ist richtig, es ist reine Gewohnheitssache. Wichtig ist nur, dass du dich entscheidest und dabei bleibst.
Ein Sonderfall sind Schrift und Logos. Auf einem gespiegelten Bild steht jeder Text verkehrt herum, und das fällt sofort auf. Wenn im Bild ein Strassenschild, ein Buchrücken oder ein T-Shirt-Aufdruck vorkommt, schalte die Spiegelung aus. Nachträglich lässt sich das Bild in jeder Bearbeitungs-App auch noch horizontal umdrehen.
Der Schalter wirkt nur auf Fotos, nicht auf Videos und nicht auf die Vorschau während eines Videoanrufs. Dort siehst du dich weiterhin gespiegelt, während dein Gegenüber dich seitenrichtig sieht. Das ist so gewollt und lässt sich nicht umstellen.
Die Frontkamera kann mehr, als viele nutzen. Der Porträtmodus arbeitet auch nach vorn und trennt Person und Hintergrund, bei neueren Geräten mit brauchbaren Kanten. Der Nachtmodus greift ebenfalls, wenn es dunkel genug ist, und verlängert die Belichtung, wofür du entsprechend still halten musst.
Auch der Selbstauslöser und die Lautstärketasten funktionieren. Das ist beim Selfie besonders nützlich, weil das Antippen des Bildschirms mit ausgestrecktem Arm fast immer verwackelt. Leg den Finger auf die Lautstärketaste, halte ruhig und drücke, ohne die Haltung zu verändern.
Für Gruppenselfies lohnt sich der Weg über die Apple Watch oder einen Bluetooth-Auslöser, weil du das Handy dann abstellen und selbst in Ruhe ins Bild gehen kannst. Alle Wege dazu stehen im Beitrag über das Auslösen am iPhone. Und wenn du die Sprachsteuerung aktivierst, brauchst du gar keine Taste mehr.
Ebenfalls nach vorn verfügbar sind die Fotostile und die Belichtungskorrektur. Tipp auf dein Gesicht, halte den Finger gedrückt, bis die Sperre erscheint, und zieh die Helligkeit nach unten, wenn die Automatik dich zu hell macht. Das ist bei Gegenlicht der wichtigste Handgriff überhaupt.
Immer dann, wenn Qualität wichtiger ist als Bequemlichkeit. Die Hauptkamera auf der Rückseite hat den grösseren Sensor, die bessere Optik und die stärkere Stabilisierung. Ein Porträt von dir, das gut werden soll, entsteht mit der Rückkamera und jemandem, der auslöst, oder mit Stativ und Selbstauslöser.
Der Unterschied ist besonders gross bei wenig Licht. Abends draussen, in einem Lokal, in der blauen Stunde: Dort liefert die Rückkamera Bilder, die noch brauchbar sind, während die Frontkamera sichtbar an ihre Grenze kommt. Wenn du in solchen Situationen ein gutes Bild von dir willst, bitte jemanden.
Ein Zwischenweg ist die Rückkamera plus Apple Watch. Du siehst auf der Uhr eine Vorschau, stellst das Handy ab und löst aus dem Bild heraus aus. Damit bekommst du die Qualität der Hauptkamera und trotzdem die Kontrolle über den Ausschnitt. Für Ferienbilder zu zweit ist das die mit Abstand beste Lösung.
Es gibt einen einfachen Prüfstein: Wenn das Bild länger leben soll als ein paar Tage in einem Chat, nimm die Rückkamera. Für Nachrichten, kurze Grüsse und alles, was morgen niemanden mehr interessiert, ist die Frontkamera genau richtig und viel schneller.
Weil das iPhone dir im Sucher ein Spiegelbild zeigt, das Foto aber seitenrichtig speichert. Du siehst dich also so, wie andere dich sehen, und das ist ungewohnt. In den Einstellungen unter Kamera kannst du die Frontkamera gespiegelt speichern lassen.
Weil die Frontkamera weitwinklig ist und alles, was näher an der Linse liegt, grösser abbildet. Streck den Arm ganz aus, nutze den engeren der beiden Bildwinkel und halte das Gerät leicht über Augenhöhe. Das entschärft den Effekt deutlich.
Technisch ja. Kleinerer Sensor, einfachere Optik, keine vergleichbare Stabilisierung. Bei gutem Licht fällt das kaum auf, bei wenig Licht sehr. Für ein Bild, das wirklich gut werden soll, nimm die Rückkamera mit Selbstauslöser oder bitte jemanden.
Ab dem iPhone 14 ja, davor ist der Fokus fest eingestellt. Auf neueren Geräten kannst du vor der Aufnahme auf das Gesicht tippen und so gezielt scharfstellen. Auf älteren Geräten hilft nur, den richtigen Abstand von etwa einer Armlänge einzuhalten.
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