Bildkomposition am Smartphone: 9 Regeln, die wirken
Du hast das Auge. Dein Handy kümmert sich um die Technik. Neun Regeln der Bildkomposition, die auf jedem Smartphone funktionieren, mit Übungen am Luzerner Seebecken.
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Die meisten Menschen werden beim Fotografieren nicht besser, obwohl sie jeden Tag Bilder machen. Das liegt nicht am Handy und nicht am Talent. Es liegt daran, dass sie immer gleich fotografieren: dasselbe Motiv, aus derselben Höhe, mit derselben Zoomstufe, im Vorbeigehen. Wer so tausend Bilder macht, hat am Ende tausendmal dasselbe Bild.
Besser wirst du mit Übungen. Eine Übung zwingt dich, anders hinzuschauen, als du es gewohnt bist. In diesem Beitrag findest du sieben Übungen, die mit jedem Smartphone funktionieren, ohne Zubehör und ohne besondere Orte. Dazu kommen ein paar Hinweise, wie du aus den Ergebnissen lernst, und eine Übersicht, welche Übung was trainiert.
Ein Ausflug mit dem Handy ist schön, aber keine Übung. Du fotografierst, was dir gefällt, und zwar so, wie du es immer tust. Eine gute Übung hat zwei Zutaten: eine klare Aufgabe und eine Einschränkung. «Geh fotografieren» ist keine Übung. «Zehn Bilder, nur Rot, nur mit 1x» ist eine.
Die Einschränkung ist der eigentliche Trick. Sie nimmt dir die gewohnten Lösungen weg und zwingt dich, neue zu suchen. Genau dabei entstehen die Bilder, die du sonst nie gemacht hättest.
Such dir einen alltäglichen Gegenstand: eine Tasse, einen Stuhl, eine Blume, dein Velo. Fotografiere ihn zwanzigmal, und jedes Bild muss anders sein. Die ersten fünf Bilder sind leicht. Danach wird es schwierig, und genau dort beginnt die Übung.
Verändern darfst du alles ausser dem Motiv:
Leg am Ende die zwanzig Bilder nebeneinander und wähle die drei stärksten. Meistens ist es nicht das Motiv, das sie stark macht, sondern der Standpunkt oder das Licht. Das ist die wichtigste Erkenntnis dieser Übung.
Wähle einen Ort, den du gut kennst, einen Platz, einen Markt oder eine Strassenecke. In Luzern eignen sich zum Beispiel der Kornmarkt, das Reussufer oder der Bahnhofplatz. Nimm dir vor, von genau diesem Ort fünf völlig verschiedene Bilder mitzubringen:
Die Übung zwingt dich, einen vertrauten Ort mit den Augen von Reisenden zu sehen. Du wirst merken: Die Vielfalt steckt nicht im Ort, sondern in deinem Blick darauf. Für die Froschperspektive hilft ein Trick: Dreh das Handy auf den Kopf, dann sitzt die Linse unten und kommt ganz nah an den Boden.
Fotografiere eine Woche lang mit einer einzigen Zoomstufe, zum Beispiel nur mit 1x. Kein Zoomen, kein Wechseln der Kamera. Willst du etwas grösser, musst du näher heran. Willst du mehr aufs Bild, musst du zurück.
So lernst du, mit den Füssen zu zoomen, und merkst, wie stark die gewählte Kamera die Wirkung eines Bildes bestimmt. In der nächsten Woche wechselst du: eine Woche nur Tele, dann eine Woche nur Ultraweitwinkel. Das Tele zwingt dich, Ausschnitte zu suchen, das Ultraweitwinkel, einen starken Vordergrund zu finden. Mehr zu den Unterschieden der Kameras steht im Beitrag Zoom am Smartphone.
Wähle ein Motiv in deiner Nähe, das du leicht wieder besuchen kannst: einen Baum, eine Brücke, eine Hausfassade, den Blick aus deinem Fenster. Fotografiere es immer vom selben Standpunkt aus, aber zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenem Wetter:
Nebeneinander gelegt zeigen die Bilder besser als jede Erklärung, wie stark Licht ein Bild verändert. Nebenbei lernst du, wann dein Motiv am schönsten ist. Wann die goldene und die blaue Stunde genau sind, erklärt der Beitrag Tageszeit wählen.
Ein Projekt geht tiefer als eine einzelne Übung. Du bleibst über Wochen oder Monate an einem Thema und erzählst es in mehreren Bildern. Ein Einzelbild zeigt einen Moment, eine Serie von zehn bis zwanzig Bildern zeigt eine ganze Welt. Und du gehst nicht mehr los und hoffst auf ein Motiv, sondern weisst, wonach du suchst.
Ein paar Ideen für den Anfang:
Ferien eignen sich besonders gut für ein kleines Projekt, etwa eine Städtereise übers Wochenende. Setz dir vor der Abreise selbst ein Thema, das du neben allen anderen Bildern verfolgst. Du schaust dann ganz anders durch die Strassen, und am Ende hast du eine Serie, die deine Reise auf eine eigene Art erzählt:
Das Schöne an so einem Thema: Es funktioniert in jeder Stadt und bei jedem Wetter, und es macht auch die Wege zwischen den Sehenswürdigkeiten spannend. Leg dir in der Fotos-App ein eigenes Album für das Projekt an, dann siehst du schon unterwegs, wie die Serie wächst.
Damit aus den Bildern eine Serie wird, brauchen sie eine gemeinsame Handschrift: gleiches Format, ähnliches Licht, derselbe Look in der Bearbeitung. Jedes Bild muss allein funktionieren und zusammen mit den anderen eine grössere Geschichte ergeben. Setz dir einen Rahmen mit Thema, Zeitraum und der Zahl der fertigen Bilder.
Wer viele gute Bilder anschaut, macht bessere. Nicht um sie zu kopieren, sondern um zu verstehen, warum sie wirken. Nimm dir dafür ein Bild vor, das dich anspricht, und schau es eine Minute lang an. Das bringt mehr, als hundert Bilder durchzuscrollen. Stell dir dabei vier Fragen:
Gute Bilder findest du in Ausstellungen, etwa in der Fotostiftung Schweiz und im Fotomuseum Winterthur, in Bildbänden aus der Bibliothek oder bei Fotografinnen und Fotografen, deren Arbeit dich anspricht. Die Regeln, nach denen du dabei fragst, stehen im Beitrag Bildkomposition am Smartphone.
Die letzte Übung ist die schwierigste, weil sie nichts mit dem Fotografieren zu tun hat, sondern mit dem Auswählen. Lege in der Fotos-App ein eigenes Album «Beste Bilder» an. Hinein kommen höchstens zwölf Bilder pro Jahr. Kommt ein neues dazu, muss ein schwächeres raus.
Dabei musst du dich von Bildern trennen, die dir wegen der Erinnerung lieb sind, aber als Foto nicht tragen. Genau das schult den Blick. Die Faustregel: Wenn du bei einem Bild zögerst, gehört es nicht hinein. Drucke die Auswahl einmal im Jahr, als Fotobuch oder Wandbild, und vergleiche sie mit der vom letzten Jahr. Tipps zum Drucken findest du im Beitrag Handyfotos drucken.
Nach jeder Übung wählst du die drei besten Bilder aus und begründest, warum. Schreib es ruhig auf, ein Satz pro Bild genügt. So merkst du mit der Zeit, welche Entscheidungen deine Bilder besser machen.
Noch mehr lernst du mit fremden Augen. Andere sehen in deinen Bildern, was du selbst nicht mehr siehst, weil du weisst, was du zeigen wolltest. Hilfreiches Feedback ist konkret. «Schönes Bild» freut, bringt aber nichts. «Der helle Fleck oben rechts zieht meinen Blick vom Gesicht weg» ist etwas, womit du arbeiten kannst. Frag deshalb gezielt: «Wohin schaust du zuerst?» Und wenn du Kritik bekommst, hör zu, statt das Bild zu verteidigen.
Allein üben bringt viel, gemeinsam üben bringt mehr. Auf dem Fotowalk in Luzern fotografiert ihr als Gruppe dieselben Orte, und du bekommst persönliches Feedback zu deinen Bildern.
| Übung | Das trainierst du | Zeitaufwand |
|---|---|---|
| Ein Motiv, zwanzig Bilder | Möglichkeiten sehen, Standpunkt, Licht | 30 Minuten |
| Ein Ort, fünf Perspektiven | Bildarten, Perspektive, Blick für Details | 1 Stunde |
| Eine Woche, eine Zoomstufe | Bildwinkel, mit den Füssen zoomen | eine Woche nebenbei |
| Ein Motiv, vier Lichtstimmungen | Licht lesen, Tageszeit wählen | mehrere kurze Besuche |
| Ein Fotoprojekt | Serien, eigene Handschrift, Geschichten erzählen | Wochen bis Monate |
| Bilder lesen | Bildwirkung verstehen, Regeln erkennen | eine Minute pro Bild |
| Zwölf beste Bilder | Auswählen, Qualität beurteilen | das ganze Jahr |
Mit kurzen, regelmässigen Übungen, die eine klare Aufgabe und eine Einschränkung haben, zum Beispiel ein Motiv zwanzigmal verschieden fotografieren. Danach die besten Bilder auswählen und begründen, warum sie besser sind. Das bringt mehr als viele Bilder ohne Ziel.
Lieber oft und kurz als selten und lang. Zehn Minuten am Tag oder eine Übung pro Woche reichen. Wichtig ist, dass du jede Übung auswertest.
Nein. Alle sieben Übungen funktionieren mit der normalen Kamera-App und der Fotos-App deines Handys. Ein Stativ oder eine zusätzliche App brauchst du dafür nicht.
Frag konkret, etwa «Wohin schaust du zuerst?», statt «Gefällt es dir?». Zeig die Bilder Menschen, die nicht dabei waren, oder fotografiere in einer Gruppe denselben Ort und vergleicht danach eure Bilder.
Lieber live üben?
Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.
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