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Bildgestaltung·23. September 2026·9 Min. Lesezeit

Dämmerung: bürgerlich, nautisch, astronomisch

Wasserturm Luzern in der Abenddämmerung zur blauen Stunde

Die Sonne ist weg, aber die Nacht ist noch lange nicht da. Zwischen Sonnenuntergang und echter Dunkelheit liegen je nach Jahreszeit eineinhalb bis drei Stunden, in denen der Himmel von Orange über Tiefblau zu Schwarz wechselt. Genau in dieser Zeit entstehen viele der schönsten Stadt- und Landschaftsbilder, weil Himmel und künstliches Licht für kurze Zeit im Gleichgewicht sind.

Wer in Rechnern wie timeanddate.de nachschaut, stösst auf drei Begriffe: bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung. Sie klingen nach Physikunterricht, sind aber für die Planung eines Fotoabends sehr praktisch. In diesem Beitrag erkläre ich, was hinter den drei Phasen steckt, wie lange sie in Luzern dauern und was du in jeder davon fotografierst.

Was Dämmerung eigentlich ist

Dämmerung ist die Zeit, in der die Sonne bereits unter dem Horizont steht, ihr Licht aber noch über die Atmosphäre zu uns gestreut wird. Die Luft wirkt wie ein riesiger Spiegel, der das Licht um die Erdkrümmung herum verteilt. Je tiefer die Sonne sinkt, desto weniger Licht kommt an, und desto dunkler und blauer wird der Himmel.

Eingeteilt wird die Dämmerung nicht nach der Uhrzeit, sondern nach dem Winkel, in dem die Sonne unter dem Horizont steht. Daraus ergeben sich drei Phasen von je sechs Grad:

  • Bürgerliche Dämmerung: Die Sonne steht bis sechs Grad unter dem Horizont.
  • Nautische Dämmerung: Die Sonne steht zwischen sechs und zwölf Grad unter dem Horizont.
  • Astronomische Dämmerung: Die Sonne steht zwischen zwölf und achtzehn Grad unter dem Horizont.

Erst wenn die Sonne mehr als achtzehn Grad unter dem Horizont liegt, beginnt die astronomische Nacht. Am Morgen läuft dasselbe in umgekehrter Reihenfolge ab. Weil sich die Einteilung am Winkel orientiert, dauern die Phasen je nach Ort und Jahreszeit unterschiedlich lang.

Bürgerliche Dämmerung: das helle Blau

Die bürgerliche Dämmerung beginnt mit dem Sonnenuntergang und endet, wenn die Sonne sechs Grad unter dem Horizont steht. In dieser Phase ist es draussen noch hell genug, um ohne Lampe zu lesen oder zu arbeiten. Daher kommt auch der Name: Der Alltag, das bürgerliche Leben, funktioniert noch ohne künstliches Licht.

Fotografisch ist das die ergiebigste Phase des Abends. Am Anfang leuchtet der Himmel noch warm, gegen Westen oft in Orange und Rosa, während im Osten bereits ein kühles Blau aufzieht. Gegen Ende geht in der Stadt die Beleuchtung an, und für einige Minuten sind Himmel und Lichter gleich hell. Diese Balance macht Aufnahmen möglich, auf denen Gebäude, Himmel und Beleuchtung gleichzeitig Zeichnung haben.

Am Handy brauchst du dafür wenig. Die Automatik kommt gut zurecht, der Nachtmodus schaltet sich meist erst gegen Ende ein und wählt kurze Zeiten von ein bis drei Sekunden. Wichtig ist nur, die Belichtung leicht zu reduzieren, damit der Himmel seine Farbe behält und nicht zu einem blassen Weiss aufgehellt wird. In Luzern dauert diese Phase je nach Jahreszeit zwischen rund dreissig und vierzig Minuten.

Nautische Dämmerung: das tiefe Blau

Die nautische Dämmerung folgt, sobald die Sonne sechs Grad unter dem Horizont steht, und endet bei zwölf Grad. Der Name stammt aus der Seefahrt. In dieser Phase sind die hellsten Sterne bereits sichtbar, während der Horizont über dem Meer noch zu erkennen ist. Seeleute konnten damit die Höhe der Sterne über dem Horizont messen und ihre Position bestimmen.

Der Himmel wechselt nun von hellem zu tiefem Blau und schliesslich zu einem dunklen Nachtblau. Für das Auge wirkt es draussen bereits dunkel, für die Kamera ist aber noch viel Farbe am Himmel. Das ist der Grund, warum Bilder aus dieser Phase oft blauer aussehen, als man die Szene in Erinnerung hat.

Fotografisch verschiebt sich jetzt das Gewicht. Die Lichter der Stadt dominieren, der Himmel wird zum dunklen Hintergrund. Silhouetten von Türmen und Bergen stehen klar gegen den letzten Rest Blau. Ohne Auflage wird es schwierig, weil der Nachtmodus längere Zeiten wählt. Leg das Handy auf ein Geländer oder eine Mauer und löse mit dem Timer aus. Am Anfang dieser Phase gelingen noch viele Bilder mit Farbe im Himmel, gegen Ende wird er für das Handy zunehmend schwarz.

Astronomische Dämmerung: fast Nacht

Die astronomische Dämmerung reicht von zwölf bis achtzehn Grad unter dem Horizont. Für das blosse Auge ist es jetzt Nacht, der Himmel erscheint schwarz. Trotzdem ist noch ein Rest Streulicht vorhanden, der schwache Himmelsobjekte überstrahlt. Deshalb warten Astronominnen und Astronomen das Ende dieser Phase ab, bevor sie lichtschwache Nebel oder Galaxien beobachten.

Für Stadtfotos bringt diese Phase kaum noch etwas, was die Nacht nicht auch bietet. Der Himmel ist dunkel, die künstlichen Lichter bestimmen das Bild allein, und die Kontraste werden hart. Interessant wird sie erst ausserhalb der Stadt: Wer Sterne fotografieren will, braucht dunklen Himmel, keinen Mond und möglichst wenig Kunstlicht in der Nähe.

Moderne Handys schaffen hier mehr, als man erwarten würde. Auf dem Stativ verlängert das iPhone den Nachtmodus auf bis zu dreissig Sekunden, Google Pixel hat einen eigenen Modus für Astrofotografie, und Samsung bietet mit der App Expert RAW eine Astrofoto-Funktion. Die Milchstrasse bleibt trotzdem ein Motiv für dunkle Orte weit weg von der Stadt, und das erst nach dem Ende der astronomischen Dämmerung.

Wo die blaue und die goldene Stunde liegen

Die bekannten Begriffe aus der Fotografie passen nicht exakt in dieses Schema, weil sie nach Bildwirkung und nicht nach Winkel definiert sind. Trotzdem lassen sie sich gut einordnen:

  • Goldene Stunde: Sie beginnt noch vor Sonnenuntergang, wenn die Sonne etwa sechs Grad über dem Horizont steht, und reicht bis kurz nach Sonnenuntergang. Das Licht ist warm, weich und flach.
  • Blaue Stunde: Sie liegt im späten Teil der bürgerlichen Dämmerung, wenn die Sonne zwischen etwa vier und sechs Grad unter dem Horizont steht. Viele Fotografinnen und Fotografen zählen auch den Anfang der nautischen Dämmerung noch dazu.

Wichtiger als die exakte Definition ist die Beobachtung, wie kurz diese Zeiten sind. Die blaue Stunde dauert nach der strengen Definition oft nur eine Viertelstunde. Wer erst beim Sonnenuntergang losgeht, steht meistens am falschen Ort, wenn es so weit ist. Die Rechner aus dem Beitrag über Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zeigen alle Phasen für dein Datum und deinen Standort an, damit du rechtzeitig bereit bist.

Dämmerung in Luzern: Zeiten im Jahreslauf

Wie stark sich die Phasen über das Jahr verändern, zeigt die folgende Tabelle für Luzern. Die Werte sind für einen flachen Horizont berechnet und auf die Minute gerundet. Hügel wie der Gütsch lassen die Sonne entsprechend früher verschwinden, an den Dämmerungsphasen ändert das aber nichts, weil sie am Winkel der Sonne hängen.

DatumSonnenuntergangEnde bürgerlichEnde nautischEnde astronomisch
21. März18:4019:1119:4720:24
21. Juni21:2522:0623:0000:23
21. September19:2619:5720:3321:10
21. Dezember16:3917:1517:5418:31

Drei Dinge fallen auf. Im Frühling und im Herbst sind die Phasen am kürzesten, rund eine halbe Stunde pro Stufe. Im Winter dauern sie leicht länger. Und im Hochsommer zieht sich die Dämmerung stark in die Länge: Um den 21. Juni ist es in Luzern nur gut zwei Stunden lang wirklich astronomisch Nacht, zwischen etwa 00:23 und 02:33 Uhr. Dafür hast du im Juni besonders viel Zeit für die blaue Stunde, und im März oder September musst du dich beeilen.

Morgendämmerung: dieselben Phasen rückwärts

Am Morgen laufen die Phasen in umgekehrter Reihenfolge ab. Zuerst endet die astronomische Nacht, dann folgen astronomische, nautische und bürgerliche Dämmerung, bis die Sonne aufgeht. Die Dauer ist dieselbe wie am Abend, das Licht aber oft anders.

Am frühen Morgen ist die Luft meist ruhiger und klarer. Seen liegen glatt da, was für Spiegelungen ideal ist, und im Herbst liegt häufig Nebel über dem Wasser. Dazu kommt ein Vorteil, der in Luzern kaum zu unterschätzen ist: Kapellbrücke, Seebrücke und Altstadt sind um diese Zeit fast leer. Wer einmal zur blauen Stunde am Morgen am Reussufer gestanden hat, weiss, wie anders die Stadt dann wirkt.

Der Nachteil liegt auf der Hand: Im Sommer bedeutet die blaue Stunde am Morgen einen Wecker um halb fünf. Im Winter dagegen fällt sie in eine Zeit, zu der du ohnehin unterwegs bist, etwa kurz vor sieben oder halb acht Uhr. Für den Einstieg ist die Morgendämmerung in den Wintermonaten deshalb die bequemste Gelegenheit.

So fotografierst du in jeder Phase

Mit einem Blick auf die Phasen lässt sich ein Fotoabend gut planen. Diese Reihenfolge hat sich bewährt:

  1. Goldene Stunde: Porträts und Landschaften im warmen, flachen Licht, noch aus der Hand.
  2. Frühe bürgerliche Dämmerung: Himmel mit Farbe im Westen, Motive mit Blick Richtung Sonnenuntergang.
  3. Späte bürgerliche Dämmerung: Stadtbilder mit eingeschalteter Beleuchtung, Belichtung leicht reduzieren.
  4. Frühe nautische Dämmerung: tiefes Blau, Silhouetten und Spiegelungen, Gerät auflegen.
  5. Späte nautische und astronomische Dämmerung: Lichterspuren, beleuchtete Gebäude, ausserhalb der Stadt erste Sterne.

Zwischen Sonnenuntergang und dem Ende der nautischen Dämmerung liegen in Luzern je nach Jahreszeit eine bis gut eineinhalb Stunden. Das reicht für zwei, höchstens drei Standorte. Plane sie so, dass du zuerst ein Motiv mit Blick nach Westen fotografierst und danach zu einem Ort mit Stadtlichtern wechselst.

Für alle Phasen gilt, dass der Nachtmodus mit kurzen Zeiten oft natürlicher wirkt als mit langen. Und dass sich ein zweiter Blick auf den Himmel lohnt, wenn du eigentlich schon einpacken willst: Die intensivsten Farben kommen oft fünf bis fünfzehn Minuten nach Sonnenuntergang. Mehr zur Wahl der Tageszeit findest du im Beitrag Tageszeit wählen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen bürgerlicher, nautischer und astronomischer Dämmerung?

Die drei Phasen unterscheiden sich im Winkel der Sonne unter dem Horizont: bis sechs Grad bürgerlich, bis zwölf Grad nautisch, bis achtzehn Grad astronomisch. Bürgerlich ist es noch hell genug für den Alltag, nautisch sind die hellsten Sterne und der Horizont gleichzeitig sichtbar, astronomisch wirkt es bereits wie Nacht.

Wie lange dauert die Dämmerung in der Schweiz?

In Luzern dauert jede der drei Phasen im Frühling und Herbst rund eine halbe Stunde, im Winter etwas länger. Im Hochsommer ziehen sie sich deutlich in die Länge, um den 21. Juni ist es nur gut zwei Stunden lang astronomisch Nacht.

Ist die blaue Stunde dasselbe wie die bürgerliche Dämmerung?

Nicht ganz. Die blaue Stunde liegt im späten Teil der bürgerlichen Dämmerung, wenn die Sonne etwa vier bis sechs Grad unter dem Horizont steht. Viele zählen auch den Anfang der nautischen Dämmerung dazu, weil der Himmel dann noch tiefblau ist.

Wann ist die beste Zeit für Stadtbilder am Abend?

Am Ende der bürgerlichen und zu Beginn der nautischen Dämmerung. Dann ist die Beleuchtung eingeschaltet und der Himmel noch blau, sodass Gebäude, Himmel und Lichter gleichzeitig Zeichnung haben.

Lieber live üben?

Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.

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