Nachtmodus am Smartphone: So gelingen Nachtfotos
Der Nachtmodus ist die grösste Verbesserung der Handyfotografie der letzten Jahre. Wie er rechnet, wann du ihn steuerst und warum drei Sekunden oft besser sind als zehn.
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Feuerwerk ist das Motiv mit der grössten Lücke zwischen Erlebnis und Bild. Am Himmel ist es überwältigend, auf dem Display sind es ein paar helle Striche in einem schwarzen Nichts. Das liegt nicht am Handy, sondern daran, dass Feuerwerk technisch ziemlich genau das Gegenteil von dem ist, wofür die Automatik gebaut wurde.
Mit ein paar Entscheidungen wird es trotzdem gut, und keine davon braucht eine Zusatz-App. Dieser Beitrag geht durch, was schiefgeht, was hilft und wie du den Abend so planst, dass du am Ende Bilder hast und den Moment trotzdem erlebt hast.
Die Kamera sieht einen fast schwarzen Himmel und schliesst daraus, dass es zu dunkel ist. Also verlängert sie die Belichtungszeit und erhöht den ISO-Wert, beides so weit wie möglich. Dann zündet die Rakete, und diese hellen Punkte treffen auf eine Einstellung, die für Dunkelheit gemacht war. Das Ergebnis sind ausgebrannte weisse Flecken ohne Farbe.
Dazu kommt der Autofokus. Er sucht Kontrast, findet am schwarzen Himmel keinen und pumpt hin und her. Sobald die Rakete explodiert, ist der Moment vorbei, bevor er sich entschieden hat. Genau deshalb sind so viele Feuerwerksbilder gleichzeitig überbelichtet und unscharf.
Und schliesslich der Nachtmodus, der hier zum Feind wird. Er verrechnet mehrere Sekunden zu einem Bild und geht davon aus, dass sich die Szene nicht verändert. Ein Feuerwerk verändert sich aber in jeder Zehntelsekunde. Das Ergebnis ist ein heller Brei statt einzelner Bahnen. Wie der Modus funktioniert, steht im Beitrag über den Nachtmodus.
Dazu kommt die Verzögerung. Zwischen dem Antippen und der tatsächlichen Aufnahme vergeht ein Moment, in dem die Kamera noch rechnet. Bei einem Motiv, das eine Sekunde dauert, entscheidet das über Treffer oder Fehlschuss. Wer vorher auslöst statt im Moment der Explosion, trifft öfter.
Diese fünf Punkte machen den grössten Unterschied, und du stellst sie vor dem ersten Knall ein, nicht mitten im Getümmel:
Die Belichtungssperre ist der entscheidende Handgriff des Abends. Ohne sie stellt die Kamera zwischen zwei Raketen alles wieder um, und du fängst bei jedem Bild von vorn an.
Stell ausserdem das Bildformat vorher ein. Feuerwerk geht hoch, also ist Hochformat oft die bessere Wahl, ausser du willst die Stadt breit darunter zeigen. Mitten im Geschehen zu drehen kostet Zeit und führt dazu, dass die Hälfte der Bilder im falschen Format entsteht.
Auf dem iPhone gibt es einen Weg, der überraschend gut funktioniert und kaum bekannt ist. Nimm das Bild als Live Photo auf, öffne es danach in der Fotos-App, wisch nach oben und wähle bei den Effekten die Langzeitbelichtung.
Was dabei passiert: Das Gerät verrechnet die rund anderthalb Sekunden Bewegung zu einem einzigen Bild. Aus einzelnen Lichtpunkten werden die fliessenden Bahnen, die man von klassischen Feuerwerksbildern kennt, ohne dass du je eine Verschlusszeit eingestellt hast.
Zwei Bedingungen gibt es. Das Handy muss während der Aufnahme wirklich still sein, sonst verwischt auch alles andere. Und du musst früh genug auslösen, weil die Bewegung vor und nach dem Antippen aufgezeichnet wird. Mehr zu dieser Funktion steht im Beitrag über Live Photos.
Auf Android-Geräten gibt es diese Funktion so nicht, dort führt der Weg über den Pro-Modus mit einer Verschlusszeit von ein bis vier Sekunden. Das Ergebnis ist ähnlich, verlangt aber ein Stativ und etwas Übung, weil du die Zeit im Voraus wählen musst.
Jede Sekunde Belichtung bei einem Handy in der Hand endet in einem verwackelten Bild. Du brauchst also eine Auflage, und zwar eine, die du eine halbe Stunde vorher suchst und nicht im Dunkeln zwischen Menschen.
Am besten ist ein kleines Stativ, das in die Jackentasche passt. Genauso gut sind eine Mauer, ein Geländer, ein Pfosten oder ein Autodach. Leg das Handy auf, richte den Ausschnitt aus und löse nicht mit dem Bildschirm aus, sondern mit der Lautstärketaste, dem Selbstauslöser oder einem Bluetooth-Auslöser. Alle Wege stehen im Beitrag über das Auslösen am iPhone.
Wenn gar nichts geht, hilft die Serienaufnahme. Halte die Lauter-Taste gedrückt, sofern die entsprechende Einstellung aktiv ist, und wähle danach das eine Bild aus, bei dem die Bahnen am schönsten stehen. Aus dreissig Aufnahmen ist fast immer eine dabei.
Denk daran, dass auch das Aufstellen Zeit braucht. Such deinen Platz zwanzig Minuten vor dem Start, wenn es noch hell genug ist, um die Auflage zu sehen und den Ausschnitt festzulegen. Im Dunkeln zwischen Menschen ein Stativ aufzubauen funktioniert selten.
Und jetzt der Teil, der aus einem technisch korrekten Feuerwerksbild ein gutes macht. Feuerwerk allein vor schwarzem Himmel ist austauschbar. Jede Stadt sieht gleich aus, wenn nur die Explosion im Bild ist.
Nimm deshalb etwas dazu, das den Ort erkennbar macht: die Silhouette der Stadt, eine Kirchturmspitze, die Berge, das Wasser mit der Spiegelung, Menschen als dunkle Umrisse im Vordergrund. Dieses zweite Element gibt dem Bild Massstab und Geschichte. In Luzern bietet sich das Seebecken an, wo sich das Feuerwerk im Wasser verdoppelt.
Plane dafür den Standort früh. Sei vor dem Start dort, überleg dir, wo die Raketen ungefähr stehen werden, und lass im Bildausschnitt oben genug Platz. Denk auch an den Wind: Steht der Rauch zwischen dir und dem Feuerwerk, wird alles milchig. Wer mit dem Wind im Rücken steht, hat den klareren Himmel.
Ein zweiter Bildtyp lohnt sich fast immer: das Publikum. Gesichter im Widerschein, Kinder auf Schultern, Handys in der Luft. Diese Bilder erzählen vom Abend und sind später oft interessanter als die Rakete selbst, weil sie zeigen, wer dabei war.
Ein Feuerwerk dauert zwanzig Minuten. Wenn du alle zwanzig Minuten hinter dem Display verbringst, hast du es nicht gesehen. Mein Vorgehen ist deshalb immer gleich: die ersten fünf Minuten fotografieren, bis die Einstellung sitzt und ein paar brauchbare Bilder da sind. Danach Handy weg und schauen.
Das ist keine Bescheidenheit, sondern Erfahrung. Die besten Bilder eines Feuerwerks entstehen fast immer am Anfang, weil der Himmel dann noch klar ist und der Rauch sich erst später sammelt. Wer bis zum Schluss durchfotografiert, bekommt vor allem milchige Bilder vom Ende.
Ausserdem ist Feuerwerk ein Motiv, das jedes Jahr wiederkommt und immer ähnlich aussieht. Zwei gute Bilder reichen völlig. Der Rest des Abends gehört dir, den Leuten neben dir und dem Geräusch, das man auf keinem Foto sieht.
Falls du Video aufnimmst, mach es bewusst kurz. Dreissig Sekunden reichen, um die Stimmung samt Ton festzuhalten. Aus einem Video lässt sich später auch ein Einzelbild herausziehen, das zwar weniger Auflösung hat, für den Bildschirm aber völlig genügt.
Nachtmodus und Blitz aus, auf einen hellen Punkt scharfstellen und die Belichtung sperren, danach die Helligkeit deutlich nach unten ziehen und nicht zoomen. Der Himmel soll schwarz bleiben, damit die Farben der Raketen nicht ausbrennen.
Weil die Automatik den dunklen Himmel ausgleichen will und Zeit sowie ISO hochdreht. Trifft die helle Rakete auf diese Einstellung, brennt sie aus. Gleichzeitig findet der Autofokus am schwarzen Himmel keinen Kontrast. Beides löst du mit der Belichtungs- und Fokussperre.
Auf dem iPhone über ein Live Photo: aufnehmen, in der Fotos-App nach oben wischen und den Effekt Langzeitbelichtung wählen. Das Gerät verrechnet die aufgezeichnete Bewegung zu einem Bild. Voraussetzung ist, dass das Handy während der Aufnahme still liegt.
Etwas Festes brauchst du, ein Stativ ist die bequemste Variante. Eine Mauer, ein Geländer oder ein Pfosten tun es auch. Löse dann nicht am Bildschirm aus, sondern mit der Lautstärketaste oder dem Selbstauslöser, damit die Berührung das Bild nicht verwackelt.
Lieber live üben?
Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.
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