Porträtmodus richtig nutzen: Tiefenschärfe am Handy
Der Porträtmodus berechnet die Unschärfe, statt sie optisch zu erzeugen. Warum das an den Haaren scheitert, welcher Abstand stimmt und welches Licht ein Porträt trägt.
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In der Kamera-App neuerer iPhones taucht ein Modus auf, mit dem viele nichts anfangen können: Räumlich. Er nimmt Bilder und Videos auf, die auf dem Handy selbst völlig normal aussehen. Erst auf einem Gerät, das zwei Augen getrennt bedienen kann, entsteht der Effekt, für den es den Modus gibt: echte räumliche Tiefe.
Der Modus ist damit eine Aufnahme für später. Man nimmt heute auf, was man vielleicht erst in ein paar Jahren richtig anschauen kann. Ob sich das lohnt, hängt vom Motiv ab. Dieser Beitrag erklärt, was technisch passiert, welche Geräte es können, wie man es richtig macht und wann es sich wirklich lohnt.
Räumliches Sehen entsteht beim Menschen, weil die beiden Augen ungefähr sechs bis sieben Zentimeter auseinanderliegen und deshalb leicht unterschiedliche Bilder sehen. Das Gehirn vergleicht diese beiden Bilder und berechnet daraus Tiefe. Je grösser der Unterschied zwischen den Ansichten, desto näher ist ein Gegenstand.
Genau das macht das iPhone nach. Es nimmt gleichzeitig mit zwei Kameras auf, die nebeneinander im Gehäuse sitzen, und speichert beide Blickwinkel in einer Datei. Später bekommt beim Betrachten jedes Auge seinen eigenen Blickwinkel, und die Tiefe entsteht im Kopf des Betrachters, genau wie in der Wirklichkeit.
Deshalb ist das etwas anderes als der Porträtmodus. Dieser errechnet eine Tiefenkarte und verwischt den Hintergrund, das Bild bleibt aber flach. Eine räumliche Aufnahme enthält tatsächlich zwei Ansichten. Sie lässt sich nicht nachträglich aus einem normalen Foto erzeugen, weil die zweite Perspektive schlicht fehlt.
Der Abstand der beiden Kameras im Gehäuse ist kleiner als der Abstand deiner Augen. Deshalb wirkt die Tiefe etwas anders als in der Wirklichkeit, meist eine Spur flacher. Das fällt beim Betrachten kaum auf, erklärt aber, warum sehr nahe Motive schnell unangenehm werden.
Räumliche Videos kamen mit dem iPhone 15 Pro und den Pro-Modellen danach. Räumliche Fotos folgten mit der iPhone-16-Generation. Ältere Geräte können den Modus nicht nachrüsten, weil dafür zwei Kameras gleichzeitig laufen müssen und die Abstände im Gehäuse stimmen müssen.
Eingeschaltet wird die Videovariante in den Einstellungen unter Kamera bei den Formaten, dort gibt es einen eigenen Schalter. In der Kamera-App erscheint danach im Videomodus ein zusätzliches Symbol. Für räumliche Fotos findest du den Modus direkt in der Auswahlleiste der Kamera.
Wichtig zu wissen: Das Handy nimmt dabei quer auf, nicht hoch. Der Effekt entsteht durch den seitlichen Abstand der beiden Kameras, und dieser Abstand muss waagrecht liegen, also parallel zu den Augen des späteren Betrachters. Hältst du das Gerät hochkant, funktioniert es nicht oder wird verweigert. Mehr zu Formaten steht im Beitrag über Bildformate.
Ob dein Gerät es kann, siehst du am schnellsten in der Kamera-App selbst. Fehlt der Modus in der Auswahlleiste und fehlt der Schalter in den Einstellungen bei den Formaten, dann beherrscht dein Modell es nicht. Ein Update ändert daran nichts, weil es an der Hardware liegt.
Räumliche Aufnahmen sind empfindlicher als normale, weil das Auge Fehler in der Tiefe sofort bemerkt. Ein wackeliges normales Video ist unangenehm, ein wackeliges räumliches Video wird körperlich unangenehm. Diese vier Punkte machen den grössten Unterschied:
Denk ausserdem an die Bildgestaltung. Tiefe wirkt nur, wenn es etwas gibt, das gestaffelt ist: etwas im Vordergrund, das Motiv in der Mitte, etwas dahinter. Eine leere Wand bleibt auch räumlich eine leere Wand.
Nimm ausserdem lieber mehrere kurze Aufnahmen als eine lange. Zehn bis zwanzig Sekunden pro Szene reichen völlig, und du hast am Ende brauchbares Material statt einer einzigen langen Aufnahme, in der die Hälfte verwackelt ist.
Eine räumliche Aufnahme enthält zwei Bildströme statt einem. Entsprechend grösser sind die Dateien, und das merkt man schnell. Wer eine Familienfeier durchgehend räumlich filmt, hat am Abend ein Speicherproblem, besonders auf einem Gerät mit kleinem Speicher.
Dazu kommt, dass die Videovariante in einer niedrigeren Auflösung aufnimmt als ein normales Video derselben Kamera. Du tauschst also Bildschärfe gegen Tiefenwirkung. Für den grossen Bildschirm ist ein normales Video in hoher Auflösung besser, für das Gefühl, wieder im Moment zu stehen, ist die räumliche Variante stärker.
Praktisch heisst das: nicht alles räumlich aufnehmen, sondern gezielt. Ein bis zwei kurze Aufnahmen pro Anlass, dort, wo Nähe und Bewegung eine Rolle spielen. Wie du den Speicher generell im Griff behältst, steht im Beitrag über Dateigrössen und Auflösung.
Achte auch darauf, dass die Aufnahmen beim Sichern in der Cloud vollständig übertragen werden. Eine räumliche Datei ist nur dann vollständig, wenn beide Ansichten mitkommen. Prüfe nach einer wichtigen Aufnahme, ob sie tatsächlich hochgeladen wurde, bevor du Speicher auf dem Gerät freigibst.
Der ehrliche Hinweis zuerst: Auf deinem iPhone selbst siehst du vom Effekt nichts. Räumliche Aufnahmen spielen dort wie normale Videos oder Fotos ab. Den Unterschied siehst du erst auf einem Gerät, das für zwei Augen getrennte Bilder liefert. Wer so ein Gerät weder hat noch plant, nimmt also auf Vorrat auf.
Genau das kann trotzdem sinnvoll sein. Kinder, die klein sind und es nicht bleiben. Grosseltern. Ein Zuhause, in dem man nicht ewig wohnt. Ein Hund. Situationen, bei denen Nähe die Hauptsache ist und nicht Auflösung. Solche Aufnahmen gewinnen mit der Zeit an Wert, und die Technik dafür holst du dir später.
Wenig sinnvoll ist der Modus dagegen bei Landschaften, bei allem, was weiter weg ist, und bei Bildern, die du sofort teilen willst. Denn beim Verschicken über die üblichen Wege geht die zweite Ansicht meist verloren, und beim Empfänger kommt ein normales Video an. Was beim Teilen sonst noch passiert, steht im Beitrag über das Teilen von Bildern.
Räumliche Videos gibt es ab dem iPhone 15 Pro, räumliche Fotos ab der iPhone-16-Generation. Ältere Modelle können es nicht, weil zwei Kameras gleichzeitig aufnehmen müssen. Den Schalter für räumliche Videos findest du in den Einstellungen unter Kamera bei den Formaten.
Weil ein normaler Bildschirm beiden Augen dasselbe Bild zeigt. Die Aufnahme enthält zwar zwei Ansichten, aber es braucht ein Gerät, das jedem Auge eine eigene zeigt. Auf dem iPhone läuft die Datei deshalb wie ein normales Video oder Foto.
Ja, deutlich. Es werden zwei Bildströme gespeichert statt einem. Nimm deshalb gezielt auf, ein bis zwei kurze Aufnahmen pro Anlass, statt durchgehend. Sonst ist der Speicher nach einem Nachmittag voll.
Nein. Für Tiefe braucht es zwei tatsächlich aufgenommene Blickwinkel, und die zweite Perspektive fehlt in einem normalen Bild. Programme können daraus höchstens eine Schätzung errechnen, das ist aber etwas anderes als eine echte räumliche Aufnahme.
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