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Motive·2. Juni 2026·7 Min. Lesezeit

Ferienfotos, die niemanden langweilen

Berggipfel im Nebelmeer, aufgenommen in den Ferien

Nach zwei Wochen Ferien sind 1200 Bilder auf dem Handy. Angeschaut werden davon zwanzig, gezeigt fünf, gedruckt keines. Das liegt nicht an der Kamera, sondern daran, dass wir in den Ferien wahllos fotografieren: alles, immer, aus der Distanz, im Vorbeigehen.

Dabei sind Ferien die beste Gelegenheit zum Fotografieren. Man hat Zeit, sieht Neues und ist aufmerksamer als zu Hause. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du diese Aufmerksamkeit nutzt: weniger Bilder, mehr Geschichten, andere Blickwinkel auf bekannte Motive und eine Routine, mit der du nach den Ferien nicht im Chaos versinkst.

Vor der Reise: Handy vorbereiten

Zehn Minuten Vorbereitung sparen Ärger. Erstens Speicher prüfen und aufräumen, damit nicht am dritten Tag «Speicher voll» erscheint. Zweitens die Einstellungen kontrollieren: Raster ein, Format auf 24 Megapixel, Live Photo aus, ausser du brauchst es gezielt. Drittens das Backup aktivieren, damit die Bilder automatisch in die Cloud laufen, sobald du im WLAN bist.

Nimm eine Powerbank mit. Fotografieren, Navigieren und Übersetzen leeren den Akku bis zum Nachmittag, und das beste Licht kommt am Abend. Ein kleines Mikrofasertuch gehört in die Tasche, weil Sonnencreme und Meerwasser die schlimmsten Feinde der Linse sind.

Und überleg dir vorher, was du eigentlich mitbringen willst. Ein Album für die Wohnung? Bilder für die Familie? Ein Bild an die Wand? Wer das Ziel kennt, fotografiert anders. Wer nur sammelt, bringt Datenmüll heim.

Prüfe auch die Roaming-Einstellungen, wenn dein Backup automatisch laufen soll. Sonst lädt das Handy Bilder über das mobile Netz hoch, was im Ausland teuer werden kann. Stell die Sicherung auf «nur über WLAN», dann läuft sie im Hotel und nicht am Strand.

Weniger fotografieren, mehr sehen

Der wirksamste Rat für Ferienfotos lautet: Setz dir ein Limit. Zwanzig Bilder pro Tag. Das klingt streng und verändert alles. Wer weiss, dass er nicht unbegrenzt drücken kann, schaut zuerst und fotografiert dann. Er sucht den besseren Standpunkt, wartet auf das Licht und überlegt sich den Ausschnitt.

Ein zweiter Ansatz: Fotografiere erst am zweiten Tag. Am ersten Tag schaust du nur, gehst herum, merkst dir Orte und Lichtsituationen. Am zweiten Tag gehst du gezielt dorthin, wenn das Licht passt. Diese Methode kostet nichts und verbessert die Ausbeute drastisch.

Und leg das Handy auch mal weg. Wer alles fotografiert, erlebt weniger. Ich habe mir angewöhnt, an jedem Ort erst fünf Minuten nur zu schauen. Danach weiss ich, was das Bild wird, und brauche dafür zwei Minuten statt zwanzig.

Ein weiterer Effekt des Limits: Du beginnst, dir Motive zu merken, statt sie sofort zu fotografieren. Diese kurze Verzögerung zwischen Sehen und Auslösen ist der Moment, in dem Gestaltung passiert. Sie ist der Unterschied zwischen Sammeln und Fotografieren.

Wahrzeichen anders zeigen

Vom Eiffelturm gibt es Millionen Bilder, und deines wird nicht besser sein als das beste davon. Also mach ein anderes. Vier Wege dazu:

  • Detail statt Ganzes: Ein Ausschnitt der Struktur, ein Schatten, eine Spiegelung in einem Fenster. Das erzählt mehr als die tausendste Totale.
  • Mensch im Bild: Jemand, der schaut, fotografiert, sitzt. Das gibt Massstab und macht das Bild persönlich.
  • Rahmen suchen: Durch einen Torbogen, zwischen Ästen, aus einem Fenster. Der Rahmen zeigt, von wo du geschaut hast.
  • Andere Zeit: Um sieben Uhr morgens ist die Kapellbrücke leer, um vierzehn Uhr voll. Dasselbe gilt für jedes Wahrzeichen der Welt.

Und stell dich nicht immer an den Ort, an dem alle stehen. Die Aussichtsplattform ist der Ort mit dem bekanntesten Bild, nicht mit dem besten. Geh fünfzig Meter weiter, tiefer, höher oder auf die andere Seite. In Luzern rate ich Gästen immer, statt auf der Seebrücke am Rathausquai zu fotografieren, dort ist die Perspektive interessanter.

Die Geschichte der Reise erzählen

Ein guter Ferienrückblick besteht nicht aus zwanzig Landschaften, sondern aus verschiedenen Arten von Bildern. Reportagefotografen arbeiten mit einer einfachen Mischung, die auch für Ferien funktioniert:

  • Übersicht: Wo waren wir? Landschaft, Stadtansicht, Hotel von aussen.
  • Mittlere Distanz: Was ist passiert? Menschen beim Essen, auf dem Markt, im Wasser.
  • Detail: Wie hat es sich angefühlt? Hände, Speisen, Schuhe im Sand, ein Schild.
  • Porträt: Wer war dabei? Ein Gesicht, nicht gestellt, nah.

Wenn du an jedem Ort diese vier machst, hast du am Ende eine Erzählung statt einer Ansammlung. Und du hast Material für ein Fotobuch, das man wirklich anschaut, weil es Abwechslung hat.

Noch mehr Spass macht die Reise mit einem kleinen eigenen Projekt. Setz dir vor der Abreise ein Thema, das du nebenbei verfolgst: alles doppelt, nur eine Farbe wie Rot oder alle Motive nur von unten. Gerade auf einer Städtereise schaust du so ganz anders durch die Strassen, und am Ende hast du eine Serie, die nur deine Reise erzählt. Ideen und Anleitung dazu stehen im Beitrag Übungen für bessere Fotos mit dem Handy.

Vergiss die banalen Dinge nicht: das Frühstück, der Mietwagen, die Karte auf dem Tisch, der Blick aus dem Zimmer. Genau diese Bilder wecken nach fünf Jahren die Erinnerung, nicht die perfekte Bucht.

Denk auch an ein Bild von dir selbst oder von der Gruppe. Viele bringen aus zwei Wochen kein einziges Bild mit, auf dem sie vorkommen. Ein Selbstauslöser, eine Ablage auf einer Mauer oder die freundliche Bitte an jemanden lösen das in einer Minute.

Menschen und fremde Kulturen

Menschen machen Reisefotos lebendig, verlangen aber Respekt. Frag, bevor du jemanden nah fotografierst, auch wenn du die Sprache nicht sprichst. Ein Blick, ein Zeigen auf die Kamera, ein Lächeln reichen meist. Ein Nein ist ein Nein, und ein heimliches Bild ist selten so gut, dass es den Bruch wert wäre.

In vielen Ländern gelten andere Regeln als in der Schweiz, sowohl rechtlich als auch kulturell. An religiösen Orten, bei Zeremonien und bei Kindern gilt besondere Zurückhaltung. Mehr zur rechtlichen Seite im Beitrag über das Recht am eigenen Bild.

Wenn du fragst und ein Ja bekommst, nimm dir Zeit. Zwei Minuten Gespräch, dann drei Bilder, dann das Ergebnis zeigen. Diese Bilder sind besser als die geschossenen, weil eine Beziehung entsteht, und sie sind oft die Erinnerung, die am längsten bleibt.

Fotografiere auch die Situationen statt nur die Gesichter: Hände beim Handwerk, Waren auf dem Markt, ein Gespräch aus der Distanz. Solche Bilder erzählen von einem Ort, ohne dass jemand identifizierbar sein muss, und sie sind rechtlich unproblematisch.

Nach der Reise: auswählen, bevor du vergisst

Die Auswahl macht man am besten am Rückreisetag oder direkt danach, solange man noch weiss, welches Bild wo entstand. Geh die Bilder einmal durch und markiere die Favoriten, ohne zu zögern. Beim zweiten Durchgang wählst du daraus die zwanzig besten der ganzen Reise. Dann löschst du die offensichtlichen Ausschussbilder.

Aus diesen zwanzig machst du etwas: ein kleines Fotobuch, einen Ausdruck für die Wand, eine Serie für Social Media, eine Diashow für den Familienabend. Bilder, die eine Verwendung haben, werden angeschaut. Bilder im Handy verschwinden. Wie du das Ganze langfristig ordnest, steht im Beitrag über das Verwalten von Fotos.

Notiere dir zu den besten Bildern kurz, wo sie entstanden sind. In fünf Jahren erinnerst du dich an das Bild, aber nicht mehr an den Namen des Dorfes. Die Fotos-App speichert den Ort automatisch, wenn die Ortungsdienste aktiv sind, was das Suchen später erleichtert.

Und leg dir für die nächste Reise ein Album an, in das die Favoriten direkt wandern. Dann ist die Auswahl am Ende schon halb gemacht.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Fotos soll ich pro Ferientag machen?

Setz dir ein Limit von etwa zwanzig bewussten Bildern. Das zwingt zum Schauen statt zum Sammeln und verbessert die Qualität deutlich.

Wie fotografiere ich bekannte Sehenswürdigkeiten interessant?

Details statt Totale, Menschen als Massstab, Rahmen durch Torbögen oder Äste und ungewöhnliche Zeiten wie früh am Morgen. Und geh weg vom Standardplatz.

Was brauche ich technisch für Ferienfotos?

Freien Speicher, aktives Backup, eine Powerbank und ein Mikrofasertuch. Wichtiger als jedes Zubehör sind Licht und Zeit.

Darf ich fremde Menschen im Urlaub fotografieren?

Frag vorher, besonders bei Nahaufnahmen. Rechtslage und Gepflogenheiten sind je nach Land verschieden, und ein Nein ist zu respektieren.

Lieber live üben?

Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.

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