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Motive·16. Juni 2026·6 Min. Lesezeit

Food und Produkte am Fenster fotografieren

Aufnahme im Fotostudio mit Fensterlicht und Reflektor

Kleine Unternehmen brauchen ständig Bilder: für den Online-Shop, für Instagram, für die Speisekarte, für den Newsletter. Einen Fotografen für jedes Produkt zu buchen ist unrealistisch, und die Bilder mit Deckenlicht und Blitz sehen aus, wie sie entstanden sind. Dabei braucht es für gute Produktbilder erstaunlich wenig.

Das Grundprinzip ist immer dasselbe: eine grosse, weiche Lichtquelle von der Seite, ein Reflektor gegenüber, ein ruhiger Hintergrund. Im Studio sind das teure Softboxen, zu Hause ist es ein Fenster und ein Stück Karton. In diesem Beitrag zeige ich dir den Aufbau, die Perspektiven und die Fehler, die Produktbilder billig aussehen lassen.

Der Aufbau am Fenster

Such dir ein Fenster ohne direkte Sonne, am besten nach Norden oder an einem bedeckten Tag. Direkte Sonne erzeugt harte Schatten und Glanzlichter, diffuses Licht ist weich und formt trotzdem. Stell einen Tisch seitlich ans Fenster, so dass das Licht von links oder rechts kommt, nicht von vorn und nicht von hinten.

Auf der Schattenseite stellst du einen Reflektor auf: ein weisses Blatt Papier, ein Stück Karton, ein Backblech mit Alufolie oder einen Buchdeckel mit weissem Umschlag. Je näher am Produkt, desto stärker hellt er die Schattenseite auf. Damit steuerst du den Kontrast, ohne zusätzliches Licht.

Schalte alle anderen Lampen aus. Deckenlicht ist gelb, Fensterlicht ist neutral, und die Mischung ergibt Farbstiche, die sich kaum korrigieren lassen. Ein Licht, eine Farbe, ein sauberes Bild. Die Grundlagen dazu findest du im Beitrag über Licht lesen.

Wenn die Sonne direkt hereinscheint, hilft ein Vorhang, ein Backpapier oder ein weisses Bettlaken vor dem Fenster. Damit wird aus hartem Sonnenlicht weiches Licht, ohne dass du auf den Tag warten musst. Das ist derselbe Effekt wie eine Softbox im Studio, nur für zwei Franken.

Untergrund und Hintergrund

Der Untergrund entscheidet über die Anmutung. Ein Holzbrett wirkt warm und rustikal, eine Schieferplatte edel, ein weisses Papier neutral und sachlich, ein Leinentuch weich. Wichtig ist, dass der Untergrund zum Produkt passt und nicht davon ablenkt. Bunte Muster sind fast immer falsch.

Für Shop-Bilder brauchst du oft einen weissen Hintergrund. Den bekommst du mit einem grossen Bogen weissem Papier, den du hinten an der Wand hochziehst und vorne auf den Tisch legst, ohne Knick. Dadurch entsteht ein fliessender Übergang ohne sichtbare Kante. A2-Zeichenpapier aus dem Papeteriegeschäft reicht für kleine Produkte.

Halte den Aufbau sauber. Krümel, Fingerabdrücke, Staub und Fussel sieht man auf dem Bild sofort, auch wenn sie mit blossem Auge kaum auffallen. Prüfe das Bild nach der ersten Aufnahme bei voller Vergrösserung, dann siehst du, was du wegwischen musst.

Sammle mit der Zeit drei bis vier Unterlagen: ein helles Holzbrett, eine dunkle Steinplatte, ein Stück Leinen und weisses Papier. Damit deckst du fast jedes Produkt ab, und du kannst denselben Gegenstand in verschiedenen Stimmungen zeigen, ohne den Aufbau zu ändern.

Perspektiven, die funktionieren

Es gibt drei Standardperspektiven, und für jedes Produkt passt eine davon besser:

PerspektiveGeeignet fürNicht geeignet für
Draufsicht, 90 GradFlache Teller, Tischszenen, Zutaten, BücherGläser, Flaschen, hohe Torten
Schräg, 45 GradTeller mit Höhe, Sandwiches, Tassen, Alltagsszenenflache Motive ohne Struktur
Frontal, AugenhöheGetränke, Flaschen, Torten, Burger, Schichtenflache Teller

Bei der Draufsicht musst du wirklich senkrecht stehen, sonst kippt das Bild. Nutze die Wasserwaage der Kamera-App, beim iPhone erscheint dabei ein Fadenkreuz. Bei der Frontalen kniest du dich hin, statt das Handy zu neigen, sonst laufen die Linien schief.

Und nutze eher den Telebereich als das Weitwinkel. Aus etwas Abstand mit 2x fotografiert wirken Proportionen natürlich, während das Weitwinkel aus der Nähe Teller verzerrt und Vordergründe aufbläst. Details dazu im Beitrag über den Zoom.

Für Onlineshops brauchst du zusätzlich eine feste Perspektive über alle Produkte hinweg. Kunden vergleichen Bilder, und wenn ein Artikel schräg und der nächste frontal gezeigt wird, wirkt der Shop unruhig. Entscheide dich einmal und behalte es bei.

Foodfotos: frisch aussehen lassen

Essen sieht auf Bildern nur kurz gut aus. Salat welkt, Eis schmilzt, Sauce trocknet an, Fett wird matt. Bereite deshalb alles vor, bevor das Essen kommt: Aufbau stehen lassen, Licht prüfen, Testbilder mit einem leeren Teller machen. Dann kommt das Gericht, und du hast zwei Minuten für die Bilder.

Kleine Tricks aus der Praxis: Ein Pinselstrich Öl macht Gemüse und Fleisch glänzend. Wassertropfen aus einer Sprühflasche lassen Salat und Früchte frisch wirken. Kräuter kommen erst kurz vor dem Bild aufs Gericht. Und ein Gericht sieht meist besser aus, wenn man es leicht angeschnitten zeigt, weil man dann die Struktur sieht.

Achte auf Gegenlicht oder seitliches Gegenlicht bei Getränken und allem Glänzenden. Licht von hinten lässt Flüssigkeiten leuchten und Dampf sichtbar werden. Ein Glas Weisswein von vorn beleuchtet ist langweilig, von hinten beleuchtet leuchtet es. Der Reflektor vorne sorgt dafür, dass die Vorderseite nicht zu dunkel wird.

Und arbeite mit einem zweiten Teller. Der erste ist für die Bilder, der zweite zum Essen. Sobald jemand angefangen hat, lässt sich das Gericht nicht mehr fotografieren, und Hektik am Tisch führt zu schlechten Bildern.

Produktbilder für den Shop

Für Online-Shops gelten andere Regeln als für Social Media. Dort zählt Einheitlichkeit: gleiches Licht, gleicher Hintergrund, gleiche Perspektive, gleicher Abstand für alle Produkte. Nur dann wirkt der Shop professionell, und nur dann kann der Kunde Produkte vergleichen.

Praktisch heisst das: Markiere die Position von Tisch, Kamera und Reflektor mit Klebeband, damit du morgen genauso aufbauen kannst. Notiere dir die Zoomstufe und den Abstand. Fotografiere Serien am selben Tag bei gleichem Wetter, denn Licht ändert sich.

Für jedes Produkt brauchst du meist drei bis fünf Bilder: eine Gesamtansicht freigestellt, ein Detail der Verarbeitung, eine Ansicht im Gebrauch oder mit Massstab, und je nach Produkt die Rückseite oder Verpackung. Bearbeite alle gleich: gleicher Weissabgleich, gleiche Helligkeit, gleicher Zuschnitt. Genau diesen Ablauf üben wir in den Firmenkursen, damit ein Team im Betrieb einheitliche Bilder produzieren kann.

Halte die Dateinamen und die Reihenfolge einheitlich, etwa Artikelnummer plus laufende Nummer. Das klingt nach Nebensache, spart aber Stunden, sobald mehrere Personen mit denselben Bildern arbeiten.

Nachbearbeitung für Produktbilder

Bei Produkten ist die Bearbeitung Handwerk, nicht Kunst. Vier Schritte reichen: Erstens gerade ausrichten und auf ein einheitliches Format zuschneiden. Zweitens Weissabgleich korrigieren, bis Weiss wirklich weiss ist, am besten mit einem weissen Bereich im Bild als Referenz. Drittens die Helligkeit so setzen, dass der Hintergrund hell, aber nicht ausgebrannt ist. Viertens Staub und Flecken mit dem Retuschierwerkzeug entfernen.

Farbtreue ist bei Produkten wichtiger als ein schöner Look. Wenn ein Pullover im Bild blauer aussieht als in Wirklichkeit, kommt er zurück. Prüfe die Farbe deshalb an einem kalibrierten Bildschirm oder wenigstens im Vergleich mit dem echten Produkt bei Tageslicht. Weitere Schritte findest du im Beitrag über die Nachbearbeitung.

Speichere dir die Werte, die du verwendest, oder lege in Lightroom eine Vorgabe an. Dann bearbeitest du künftige Serien mit einem Klick gleich und musst nicht jedes Mal von vorn beginnen. Einheitlichkeit ist bei Produktbildern wichtiger als das perfekte Einzelbild.

Prüfe zum Schluss immer ein Bild auf dem Handy und eines am grossen Bildschirm, weil Kunden beides nutzen.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für Produktfotos eine Lichtausrüstung?

Nein. Ein Fenster ohne direkte Sonne und ein weisser Karton als Reflektor liefern weiches, gerichtetes Licht. Wichtig ist, alle anderen Lampen auszuschalten.

Wie bekomme ich einen sauberen weissen Hintergrund?

Ein grosser Bogen weisses Papier, hinten an der Wand hochgezogen und vorne auf den Tisch gelegt, ohne Knick. Dann leicht überbelichten, so dass der Hintergrund hell wird, ohne das Produkt auszubrennen.

Welche Perspektive eignet sich für Foodfotos?

Draufsicht für flache Teller und Tischszenen, 45 Grad für Gerichte mit Höhe, frontal für Getränke, Torten und geschichtete Speisen.

Wie halte ich Produktbilder einheitlich?

Positionen von Tisch, Kamera und Reflektor markieren, Zoomstufe und Abstand notieren, Serien am selben Tag fotografieren und alle Bilder gleich bearbeiten.

Lieber live üben?

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