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Motive·30. Juni 2026·6 Min. Lesezeit

Immobilienfotos mit dem Handy: Räume richtig zeigen

Moderne Glasfassade in Luzern mit Spiegelung des Seebeckens

Immobilieninserate leben von Bildern. Wer scrollt, entscheidet in zwei Sekunden, ob er weiterliest. Dunkle Räume, schiefe Wände und ein Fenster, das weiss ausbrennt, kosten Besichtigungen. Dabei lassen sich die häufigsten Fehler mit dem Handy vermeiden, ohne Spezialausrüstung.

Ich zeige dir in diesem Beitrag einen festen Ablauf: vorbereiten, Standpunkt wählen, Belichtung setzen, korrigieren. Wer diesen Ablauf für jeden Raum wiederholt, bekommt einheitliche Bilder, die zusammenpassen.

Vorbereiten: der Raum vor dem Bild

Achtzig Prozent der Arbeit passieren, bevor du das Handy hebst. Ein aufgeräumter Raum sieht auf dem Bild doppelt so gut aus wie ein bewohnter. Die Checkliste:

  • Alles Persönliche weg: Fotos, Post, Zahnbürsten, Kinderspielzeug, Schuhe.
  • Oberflächen leeren: Küchenabdeckung, Nachttisch, Badablage, Schreibtisch.
  • Kabel verstecken, Mülleimer raus, WC-Deckel schliessen.
  • Alle Vorhänge auf, alle Rollläden hoch, alle Lichter an.
  • Türen entweder ganz offen oder ganz zu, nicht halb.
  • Fenster putzen, wenn Zeit ist, denn Schlieren sieht man im Gegenlicht.

Alle Lichter an ist ein Punkt, über den Fachleute streiten. Ich mache es, weil eingeschaltete Lampen Wärme geben und den Raum wohnlicher wirken lassen. Wichtig ist dann, dass es nur eine Lichtfarbe gibt: entweder überall warmweisse LED oder überall neutralweiss. Gemischt wird es unruhig.

Rechne für das Vorbereiten mehr Zeit ein als für das Fotografieren. Bei einer bewohnten Wohnung dauert das Aufräumen pro Raum zehn Minuten, das Fotografieren fünf. Wer diese Reihenfolge umdreht, produziert Bilder, die man später doch wieder neu machen muss.

Standpunkt und Höhe

Fotografiere aus der Ecke des Raumes, das zeigt am meisten Fläche. Nicht ganz aus der Ecke, sondern etwa einen Meter davon entfernt, sonst verzerren die Wände. Und halte das Handy auf Hüfthöhe, also etwa 1,2 Meter. Aus Augenhöhe wirken Räume enger, aus Hüfthöhe grosszügiger, weil mehr Boden ins Bild kommt.

Halte das Handy absolut gerade, weder nach oben noch nach unten geneigt. Sobald du neigst, kippen die senkrechten Linien, und der Raum wirkt schief. Nutze die Wasserwaage der Kamera-App und achte darauf, dass beide Anzeigen zusammenfallen. Diese eine Massnahme unterscheidet Amateur- von Profibildern.

Nutze das Ultraweitwinkel sparsam. Es zeigt viel, verzerrt aber die Ränder und lässt Räume grösser wirken, als sie sind. Das ist nicht nur unehrlich, es enttäuscht bei der Besichtigung. Fotografiere mit 1x, wenn es geht, und mit 0,5x nur in wirklich engen Räumen wie Bädern. Mehr dazu im Beitrag über den Zoom.

Vermeide es, in Spiegel zu fotografieren, ohne darauf zu achten. In Bädern und Garderoben stehst du sonst selbst im Bild. Ein Schritt zur Seite oder ein anderer Winkel löst das, und im Zweifel prüfst du das Ergebnis sofort auf dem Bildschirm.

Fenster und Innenraum gleichzeitig belichten

Das grösste technische Problem sind Fenster. Draussen ist es zehnmal heller als drinnen, also brennt das Fenster weiss aus oder der Raum wird dunkel. Am Handy löst das HDR automatisch, indem es mehrere Belichtungen verrechnet. Das reicht in den meisten Fällen.

Wenn es nicht reicht, hilft die Tageszeit. Fotografiere Räume, wenn die Sonne nicht direkt ins Fenster scheint: Ostzimmer am Nachmittag, Westzimmer am Vormittag. Ein bedeckter Tag ist für Innenaufnahmen oft besser als strahlender Sonnenschein, weil der Kontrast kleiner ist.

Belichte auf einen mittelhellen Bereich, etwa eine Wand neben dem Fenster, und sperre die Belichtung, wie im Beitrag über die Belichtungssperre beschrieben. Prüfe danach, ob das Fenster noch Zeichnung hat. Ein leicht überstrahltes Fenster ist akzeptabel, ein komplett weisses Loch nicht.

Bei sehr grossen Kontrasten hilft ein zweites Bild: einmal auf den Raum belichtet, einmal auf das Fenster. Beide lassen sich später in einer App zusammenfügen. Das ist Aufwand, aber bei einem Objekt mit besonderer Aussicht lohnt es sich, weil genau diese Aussicht verkauft.

Der Ablauf pro Raum

Damit die Bilder einer Wohnung zusammenpassen, arbeite ich immer gleich:

  1. Raum aufräumen und Licht einschalten.
  2. Standpunkt in der Raumecke wählen, Hüfthöhe, Handy gerade.
  3. Wasserwaage prüfen, Ausschnitt festlegen, senkrechte Linien kontrollieren.
  4. Auf mittelhellen Bereich tippen, Belichtung sperren, leicht korrigieren.
  5. Ein Bild machen, kontrollieren, gegebenenfalls korrigieren.
  6. Zweiten Standpunkt aus der gegenüberliegenden Ecke, damit der Raum vollständig gezeigt wird.
  7. Ein Detail: Küche mit Geräten, Bad mit Armatur, Kamin, Parkett, Aussicht.

Für eine Vierzimmerwohnung ergibt das etwa 15 bis 20 brauchbare Bilder in einer Stunde. Reihenfolge im Inserat: Aussenansicht, Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer, Bad, Nebenräume, Aussicht oder Balkon. Das erste Bild entscheidet über den Klick, also nimm dafür das stärkste.

Fotografiere die Räume in der Reihenfolge, in der man die Wohnung betritt. So erkennst du beim Bearbeiten sofort, welches Bild wohin gehört, und die Reihenfolge im Inserat ergibt sich von selbst. Bei mehreren Objekten am selben Tag ist das eine grosse Hilfe.

Notiere dir direkt nach dem Termin, welcher Raum fehlt oder misslungen ist, solange du noch vor Ort bist.

Aussenaufnahmen

Für die Aussenansicht gelten dieselben Regeln, plus zwei weitere. Erstens die Tageszeit: Ein Haus sieht am besten aus, wenn die Sonne von vorn oder schräg von der Seite darauf fällt, nicht von hinten. Prüfe vorher, wann das der Fall ist, oder komm zur blauen Stunde mit beleuchteten Fenstern, das wirkt einladend.

Zweitens die Umgebung: Autos wegfahren lassen, Mülltonnen verschieben, Gartenschlauch aufrollen. Ein parkiertes Auto vor dem Eingang ist der häufigste vermeidbare Fehler. Und achte auf Nachbarhäuser und Personen im Bild, die dort nicht sein sollen.

Stürzende Linien sind bei Häusern besonders auffällig. Geh weiter weg und nutze etwas Tele, statt nah zu stehen und nach oben zu neigen. Wenn du neigen musst, korrigiere in der Bearbeitung mit der Vertikalkorrektur. Beim iPhone findest du sie beim Zuschneiden unter dem Symbol für Perspektive.

Denk auch an die Umgebung: der Weg zum Haus, der Garten, die Aussicht vom Balkon, der Spielplatz nebenan. Interessenten kaufen nicht nur Quadratmeter, sondern eine Lage. Drei gute Umgebungsbilder ergänzen jedes Inserat sinnvoll.

Bearbeitung und einheitlicher Look

Bearbeite alle Bilder einer Immobilie gleich, sonst wirkt das Inserat zusammengewürfelt. Vier Schritte: Erstens ausrichten und Vertikale korrigieren. Zweitens Helligkeit anheben, Räume dürfen hell wirken. Drittens Lichter zurücknehmen, damit Fenster Zeichnung behalten. Viertens Weissabgleich neutral setzen, damit Wände weiss und nicht gelb sind.

Was du nicht tun solltest: Räume künstlich vergrössern, Mängel wegretuschieren oder den Himmel austauschen. Das ist rechtlich heikel und führt zu enttäuschten Interessenten. Ein ehrliches, gut gemachtes Bild verkauft besser als ein geschöntes, das bei der Besichtigung nicht hält, was es verspricht.

Wenn ein Team mehrere Objekte fotografiert, lohnt sich ein festgelegter Ablauf mit denselben Einstellungen für alle. Leg dafür eine kurze Checkliste pro Raumtyp an und einen Bearbeitungsstil, den alle im Team anwenden.

Lege dir für wiederkehrende Objekte eine Vorgabe an, die du auf alle Bilder anwenden kannst. In Lightroom Mobile heisst das Preset, in der Fotos-App heisst es «Änderungen kopieren» und «Änderungen einsetzen». Damit ist ein Inserat in zwanzig Minuten bearbeitet statt in zwei Stunden.

Häufig gestellte Fragen

Auf welcher Höhe fotografiere ich Innenräume?

Auf etwa 1,2 Metern, also Hüfthöhe. Der Raum wirkt grosszügiger, und die senkrechten Linien bleiben gerade, weil du das Handy nicht neigen musst.

Wie verhindere ich, dass Fenster weiss ausbrennen?

HDR nutzen, bei bedecktem Himmel oder ohne direkte Sonne fotografieren und auf einen mittelhellen Bereich belichten. Ein leicht helles Fenster ist akzeptabel, ein weisses Loch nicht.

Soll ich das Ultraweitwinkel für Räume nutzen?

Nur wenn nötig, etwa in kleinen Bädern. Es verzerrt die Ränder und lässt Räume grösser wirken, als sie sind, was bei der Besichtigung enttäuscht.

Wie viele Bilder braucht ein Inserat?

Etwa 15 bis 20 für eine Vierzimmerwohnung: pro Raum zwei Ansichten plus Details, dazu Aussenansicht und Umgebung. Das stärkste Bild kommt an die erste Stelle.

Lieber live üben?

Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.

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