Live Photo am iPhone: Mehr als ein kurzes Video
Live Photos gelten als Speicherfresser. Dabei stecken darin drei Funktionen, die ein normales Foto nicht kann: das beste Einzelbild wählen, Wasser seidig machen und Bewegung einfrieren.
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Kinderfotos sind der häufigste Grund, warum Menschen zu mir in den Kurs kommen. Und sie sind der häufigste Grund für Enttäuschung: fünfzig Bilder vom Nachmittag, davon vierzig unscharf, acht mit geschlossenen Augen und zwei, auf denen alle gleichzeitig in die Kamera schauen und keines davon lebendig wirkt.
Das Problem liegt selten am Handy. Es liegt daran, dass wir Kinder fotografieren, als wären sie Erwachsene: von oben, gestellt, mit der Aufforderung zu lächeln. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du es anders machst. Es geht um Augenhöhe, Timing, Licht und die Bereitschaft, viel zu löschen.
Der wirksamste Tipp kostet nichts und ist unbequem: Geh in die Knie. Erwachsene fotografieren Kinder fast immer von oben, weil sie stehen. Dabei entsteht die Perspektive eines Beobachters, der herabschaut. Der Kopf wird gross, der Körper klein, der Boden füllt den Hintergrund.
Auf Augenhöhe sieht das Bild anders aus. Das Kind wird zum Gegenüber statt zum Objekt, der Hintergrund ist die Welt statt der Teppich, und die Proportionen stimmen. Bei Kleinkindern heisst das: hinlegen oder hinknien. Bei Kindern, die krabbeln, wirklich auf den Bauch.
Noch einen Schritt weiter: Geh unter die Augenhöhe. Ein Kind auf einer Mauer, von unten fotografiert, wirkt gross und selbstbewusst. Das ist eine bewusste Aussage und funktioniert bei Sprüngen, Klettergerüsten und Situationen, in denen das Kind etwas erobert. Umgekehrt kann die Vogelperspektive schön sein, wenn das Kind im Bett liegt, im Sand spielt oder von einem Kreis aus Spielzeug umgeben ist. Dann ist die Draufsicht eine Gestaltungsidee und kein Zufall.
Der Ruf in die Kamera erzeugt zwei Sorten Bilder: das aufgesetzte Lächeln und den genervten Blick. Beides zeigt nicht, wie das Kind ist, sondern wie es auf eine Aufforderung reagiert. Die lebendigen Bilder entstehen daneben, wenn das Kind mit etwas beschäftigt ist.
Mein Vorgehen: erst mitspielen, dann fotografieren. Wer zehn Minuten dabei ist, wird ignoriert, und genau dann beginnt die interessante Zeit. Fotografiere die Konzentration beim Bauen, das Rennen, das Trotzen, das Einschlafen. Diese Bilder sind es, die man in zwanzig Jahren anschaut, nicht die posierten.
Wenn du doch einen Blick in die Kamera willst, arbeite mit Fragen statt Anweisungen. «Was hast du da gefunden?» erzeugt einen echten Ausdruck, «Lächle mal» nicht. Und akzeptiere, dass ein ernster Blick ein gutes Porträt ist. Kinder lächeln nicht permanent, und ein nachdenkliches Gesicht erzählt oft mehr.
Ein zweiter Weg zu echten Ausdrücken ist die Beschäftigung. Gib dem Kind etwas in die Hand, ein Blatt, eine Frucht, ein Spielzeug, und fotografiere die Konzentration darauf. Die Aufmerksamkeit liegt dann beim Gegenstand, nicht bei der Kamera, und der Gesichtsausdruck ist echt.
Kinder bewegen sich schnell, also brauchst du kurze Verschlusszeiten. Das Handy stellt sie automatisch ein, aber nur, wenn genug Licht da ist. Deshalb ist Licht wichtiger als jede Einstellung: draussen im Schatten, drinnen am Fenster, nie im dunklen Zimmer mit Deckenlampe.
Nutze den Serienmodus. Halte die Lautstärke-Taste gedrückt oder wisch beim iPhone den Auslöser nach links, dann nimmt das Handy zehn Bilder pro Sekunde auf. Aus einer Serie wählst du später das eine, bei dem Augen, Ausdruck und Position stimmen. Das ist keine Schummelei, sondern die Arbeitsweise jedes Reportagefotografen.
Zusätzlich hilft Live Photo, weil es die Sekunden vor dem Auslösen mitspeichert. Wenn der Moment schon vorbei war, findest du ihn oft im Filmstreifen. Und tippe auf das Gesicht, bevor du auslöst, damit der Fokus dort sitzt und nicht auf dem Hintergrund. Bei bewegten Kindern verfolgt das Handy das Gesicht danach automatisch.
Eine Einstellung, die viel bringt: Aktiviere im iPhone unter Kamera die Option «Für Serienbilder Lauter-Taste gedrückt halten». Danach genügt ein langer Druck, und du musst nicht auf dem Bildschirm zielen, während sich alles bewegt.
Weiches, seitliches Licht ist ideal. Draussen findest du es im Schatten eines Hauses, unter Bäumen oder bei bedecktem Himmel. Direkte Mittagssonne erzeugt harte Schatten und blinzelnde Augen, das ist die schlechteste Zeit für Kinderbilder.
Drinnen ist das Fenster die Lösung. Setz das Kind seitlich zum Fenster, nicht mit dem Rücken dazu, und schalte die Deckenlampe aus. Das Licht formt dann das Gesicht, und die Farben stimmen. Ein weisses Tuch oder ein Blatt Papier auf der Schattenseite hellt auf, mehr braucht es nicht. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag über Licht lesen.
Der Blitz ist tabu. Er erschreckt, macht rote Augen und flache Gesichter. Wenn es wirklich zu dunkel ist, geh näher ans Fenster, schalte eine Stehlampe seitlich dazu oder verschiebe das Fotografieren. Ein leicht verrauschtes Bild bei natürlichem Licht ist besser als ein geblitztes.
Draussen ist die beste Zeit der späte Nachmittag. Das Licht ist warm, die Sonne steht tief, und Kinder sind nach dem Mittagsschlaf oft in bester Stimmung. Diese Kombination erklärt, warum so viele gelungene Kinderbilder abends auf einer Wiese entstehen.
Der häufigste Fehler nach der Perspektive ist der Hintergrund. Wäscheständer, Autos, halbe Personen, offene Türen: All das lenkt ab. Bevor du auslöst, schau einmal an den Rändern des Bildes entlang. Ein Schritt zur Seite oder eine Drehung um neunzig Grad löst die meisten Probleme.
Denk auch an die Details, nicht nur an das Gesicht. Hände, die etwas halten. Füsse im Sand. Der Rücken mit dem zu grossen Rucksack am ersten Schultag. Die Kaffeetasse der Grosseltern neben dem Kinderteller. Solche Bilder erzählen die Geschichte des Tages und sind oft berührender als das Porträt.
Und mach Bilder mit Kontext. Ein Kind allein vor neutralem Hintergrund zeigt, wie es aussah. Ein Kind im Wohnzimmer, in dem man die Wohnung erkennt, oder am Seeufer, wo man Luzern sieht, zeigt, wie das Leben war. In zwanzig Jahren ist der Hintergrund oft das Interessanteste am Bild.
Fotografiere ausserdem aus etwas Distanz mit leichtem Tele statt ganz nah mit Weitwinkel. Kindergesichter aus zwanzig Zentimetern bekommen eine grosse Nase und wirken karikaturhaft. Zwei Schritte zurück und 2x-Zoom lösen das.
Aus fünfzig Bildern eines Nachmittags bleiben drei. Das ist kein schlechtes Verhältnis, sondern normal. Wichtig ist, dass du die Auswahl auch triffst. Wer alles behält, findet später nichts, wie im Beitrag über das Verwalten von Fotos beschrieben.
Markiere direkt nach dem Fotografieren die besten Bilder als Favoriten und lösche das offensichtlich Misslungene. Einmal im Jahr machst du daraus ein Fotobuch oder druckst zwanzig Bilder aus. Gedruckte Kinderbilder werden angeschaut, digitale meistens nicht. Und für ein Kind ist ein Album, in dem es blättern kann, etwas völlig anderes als ein Ordner im Handy.
Ein letzter Gedanke zum Teilen: Überleg dir, welche Bilder öffentlich werden. Kinder können nicht einwilligen, und was heute im Netz steht, ist in zwanzig Jahren noch auffindbar. Geteilte Alben für die Familie sind der bessere Weg als offene Social-Media-Profile.
Ein Ritual, das sich lohnt: einmal im Jahr zwanzig Bilder ausdrucken und in eine Schachtel legen. Kinder schauen sie an, ordnen sie, erzählen dazu. Das passiert mit Bildern im Handy nie.
Für Licht sorgen, damit die Verschlusszeit kurz wird, den Serienmodus nutzen und vorher auf das Gesicht tippen. Bei wenig Licht nach draussen oder ans Fenster wechseln.
Auf Augenhöhe des Kindes, also in die Knie oder auf den Boden. Von oben wirkt das Kind klein und der Hintergrund langweilig.
Besser nicht. Mitspielen, warten und den Moment nehmen, wenn das Kind beschäftigt ist. Fragen erzeugen echte Ausdrücke, Anweisungen erzeugen Posen.
Wenige. Aus einer Serie ein Bild, aus einem Nachmittag drei bis fünf. Direkt nach dem Fotografieren auswählen und den Rest löschen, sonst wächst die Sammlung unbrauchbar.
Lieber live üben?
Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.
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