Alle Beiträge
Motive·19. Mai 2026·6 Min. Lesezeit

Haustiere fotografieren: Hund und Katze im Bild

Schnauzer sitzt auf einer Matte und schaut in die Kamera, daneben sein Ball

Tiere sind dankbare Motive und schwierige zugleich. Sie posieren nicht, sie schauen weg, wenn du bereit bist, und sie kommen genau dann zur Kamera, wenn du Abstand bräuchtest. Dazu kommt ein technisches Problem: Dunkles Fell schluckt Licht, helles Fell überstrahlt, und der Autofokus sucht in beidem nach Kanten.

Gute Tierbilder entstehen trotzdem, und zwar mit denselben Mitteln wie gute Kinderbilder: Augenhöhe, Geduld, Licht und viele Aufnahmen. In diesem Beitrag zeige ich dir, worauf es bei Hund und Katze ankommt, wie du die Augen scharf bekommst und wie du Bewegung einfängst, ohne das Tier zu stressen.

Auf Augenhöhe, immer

Ein Hund von oben fotografiert ist ein Fellhaufen mit Schnauze. Derselbe Hund auf Augenhöhe ist ein Gegenüber. Diese Regel gilt bei Tieren noch strenger als bei Kindern, weil der Grössenunterschied noch grösser ist. Bei einer Katze heisst das oft: flach auf den Boden legen.

Nutze dabei die Umgebung. Ein Hund auf einer Bank, einem Baumstamm oder einer Treppe ist automatisch näher an deiner Augenhöhe, und du musst dich nicht auf den nassen Boden legen. Bei Katzen funktioniert das Fensterbrett hervorragend, weil dort auch das Licht stimmt.

Achte auf die Blickrichtung. Ein Tier, das aus dem Bild schaut, braucht Raum in Blickrichtung, sonst wirkt das Bild eingeengt. Setze den Kopf auf einen Kreuzungspunkt des Rasters und lass vor der Schnauze mehr Platz als dahinter. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag zur Bildkomposition.

Eine Ausnahme gibt es: die Draufsicht auf ein schlafendes Tier, eingerollt in seinem Korb. Dort ist die Form von oben das Motiv, und die Perspektive erzählt Geborgenheit. Wie immer gilt, dass eine bewusste Entscheidung besser ist als die bequeme Standardhöhe.

Die Augen müssen scharf sein

Bei Tierporträts entscheidet ein Kriterium über gut und schlecht: Sind die Augen scharf? Ist die Schnauze scharf und die Augen weich, wirkt das Bild falsch, auch wenn der Rest stimmt. Tippe deshalb immer auf das Auge, bevor du auslöst, nicht auf den Kopf allgemein.

Neuere Handys erkennen Hunde und Katzen automatisch und setzen den Fokus auf das Auge. Verlass dich nicht darauf, besonders bei dunklem Fell, wo der Kontrast fehlt. Ein Tipp auf die Augenpartie und bei ruhigem Tier zusätzlich die AE/AF-Sperre geben Sicherheit.

Ein Licht in den Augen macht den Unterschied zwischen lebendig und leblos. Dieses kleine Glanzlicht entsteht, wenn eine Lichtquelle vor dem Tier ist, etwa ein Fenster. Steht das Tier mit dem Rücken zum Fenster, fehlt das Glanzlicht, und die Augen wirken wie dunkle Löcher. Dreh das Tier oder wechsle die Seite.

Bei sehr nahen Aufnahmen wird die Schärfentiefe knapp, auch am Handy. Dann ist entscheidend, ob das vordere oder das hintere Auge sitzt. Fotografiere leicht von der Seite und stelle auf das Auge scharf, das dir näher ist, so wirkt das Bild richtig.

Fell richtig belichten

Schwarzes Fell und weisses Fell sind die zwei Extremfälle der Belichtungsmessung. Bei einem schwarzen Hund hellt die Automatik auf, bis das Fell grau wird und das Rauschen sichtbar ist. Bei einer weissen Katze dunkelt sie ab, bis das Weiss schmutzig aussieht. Beides korrigierst du mit der Belichtungskorrektur:

  • Dunkles Fell: Belichtung um 0,5 bis 1 Schritt nach unten ziehen, damit Schwarz schwarz bleibt und die Struktur erhalten bleibt.
  • Helles Fell: Belichtung um 0,5 bis 1 Schritt nach oben ziehen, damit Weiss nicht grau wird.
  • Gemischtes Fell: auf das Gesicht belichten und den Rest akzeptieren.

Fell zeigt seine Struktur nur bei seitlichem Licht. Frontales Licht macht es flach, Gegenlicht erzeugt einen leuchtenden Rand, der besonders bei langhaarigen Tieren spektakulär aussieht. Ein Hund im Gegenlicht auf einer Wiese, mit Sonne von hinten, bekommt eine Kontur aus Licht, wie im Beitrag über Gegenlicht beschrieben.

Ein praktischer Hinweis für schwarze Hunde: Vermeide direkte Sonne. Dunkles Fell in hartem Licht zeigt entweder gar keine Struktur oder glänzende Stellen ohne Zeichnung. Im Schatten oder bei bedecktem Himmel bekommst du deutlich mehr Details.

Bewegung: Spielen, Rennen, Springen

Ein rennender Hund braucht kurze Verschlusszeiten, und die bekommst du nur bei Licht. Draussen am Tag ist das kein Problem, drinnen fast unmöglich. Plane Bewegungsbilder für den Tag und Porträts für drinnen.

Nutze den Serienmodus, indem du die Lautstärke-Taste gedrückt hältst. Halte die Kamera dabei ruhig und schwenke mit dem Tier mit, statt zu warten, bis es ins Bild läuft. Diese Technik nennt sich Mitziehen und liefert scharfe Tiere vor leicht verwischtem Hintergrund, was Tempo zeigt.

Ein Trick für Sprünge und Apportieren: Positioniere dich dort, wo das Tier ankommen wird, statt ihm zu folgen. Wer dem Hund hinterherfotografiert, hat immer den Hintern im Bild. Wer am Ziel wartet, bekommt das Gesicht. Und arbeite mit jemandem zusammen, der wirft oder ruft, während du fotografierst. Allein bekommt man selten beides hin.

Plane für Bewegungsbilder genug Zeit ein und arbeite in kurzen Einheiten. Nach zehn Minuten ist die Konzentration des Tieres meist weg, und die Bilder werden schlechter. Lieber dreimal fünf Minuten an verschiedenen Tagen als eine lange Sitzung.

Katzen, Hunde und ihre Eigenheiten

Hunde sind kooperativ, aber aufdringlich. Sie kommen zur Kamera, weil sie neugierig sind, und dann ist die Schnauze zu nah und der Rest unscharf. Lass jemanden den Hund halten oder beschäftigen, arbeite mit Abstand und nutze eher den Telebereich, wie im Beitrag über den Zoom erklärt. Ein Leckerli über der Kamera erzeugt den aufmerksamen Blick, aber nur beim ersten Mal, danach schaut der Hund auf die Hand.

Katzen sind das Gegenteil: Sie ignorieren dich, bis du aufgibst. Das ist ein Vorteil, weil sie sich natürlich verhalten. Fotografiere sie beim Schlafen, beim Putzen, beim Blick aus dem Fenster. Die schönsten Katzenbilder entstehen im Fensterlicht am Nachmittag, wenn die Katze ohnehin dort liegt. Bewegen wirst du eine Katze nicht, also bewege dich selbst.

Bei beiden gilt: kein Blitz. Er erschreckt Tiere, erzeugt leuchtende Augen und zerstört jede Stimmung. Und dräng dich nicht auf. Ein Tier, das sich unwohl fühlt, sieht man im Bild. Zehn Minuten warten liefern bessere Ergebnisse als fünf Minuten drängen.

Porträtmodus und Bearbeitung

Der Porträtmodus funktioniert bei Tieren, hat aber mit Fell dieselben Probleme wie mit Haaren: Die Kanten fransen aus, besonders bei langhaarigen Tieren vor unruhigem Hintergrund. Prüfe das Ergebnis auf dem Bildschirm und wechsle im Zweifel zum normalen Modus mit ruhigem Hintergrund und etwas Abstand.

In der Bearbeitung sind zwei Regler wichtig. Erstens die Schatten, wenn dunkles Fell zu wenig Zeichnung hat, aber nur vorsichtig, sonst rauscht es. Zweitens die Klarheit oder Struktur, die Fell plastischer macht. Auch hier gilt: dosiert einsetzen, sonst sieht das Tier aus wie aus einem Werbeprospekt.

Schwarzweiss lohnt sich bei Tieren oft, weil es die Form und den Ausdruck betont und farbliche Ablenkung wegnimmt. Besonders bei einfarbigem Fell und in Situationen mit hohem Kontrast ist das ein Versuch wert, wie im Beitrag über Schwarzweiss beschrieben.

Achte beim Zuschneiden darauf, dem Blick Raum zu lassen, und schneide nicht zu eng. Ein Tier, das an der Bildkante endet, wirkt gedrängt, während etwas Luft um Kopf und Ohren dem Bild Ruhe gibt.

Häufig gestellte Fragen

Wie bekomme ich die Augen meines Hundes scharf?

Vor dem Auslösen auf die Augenpartie tippen, nicht auf den Kopf allgemein. Bei ruhigem Tier zusätzlich die Belichtung sperren. Neuere Handys erkennen Tieraugen automatisch, bei dunklem Fell aber unzuverlässig.

Warum wirkt schwarzes Fell auf meinen Bildern grau?

Weil die Belichtungsautomatik dunkle Flächen aufhellt. Zieh die Belichtung um einen halben bis ganzen Schritt nach unten, dann bleibt Schwarz schwarz.

Kann ich Tiere mit Blitz fotografieren?

Besser nicht. Der Blitz erschreckt, erzeugt leuchtende Augen und flaches Licht. Nutze Fensterlicht oder fotografiere draussen bei Tageslicht.

Wie fotografiere ich rennende Hunde scharf?

Bei Tageslicht, im Serienmodus, mit Mitziehen der Kamera. Positioniere dich dort, wo der Hund ankommt, statt ihm zu folgen.

Lieber live üben?

Im Smartphone Fotokurs in Luzern gehen wir genau diese Themen am eigenen Handy durch.

Zu den Kursen

Das könnte dich auch interessieren

Alle Beiträge